"Wir alle haben eine Geschichte zu erzählen"

Mitreissende Jubiläumsrede in 5 Schritten schreiben

 

Mitreissende Jubiläumsrede in 5 Schritten schreiben
Eine Festrede zu schreiben und zu halten, ist Ehrensache. Wenn Sie also dazu auserkoren wurden, dürfen Sie sich geschmeichelt fühlen. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie in fünf Schritten eine mitreissende Jubiläumsrede aufbauen und schreiben und damit diese Ziele erreichen:

  • Sie stiften Identität und erzeugen ein Wir-Gefühl.

  • Sie verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart.

  • Sie führen mit beständigen Werten vertrauensvoll in eine nachhaltige Zukunft.

Die Geschichte der Jubiläen geht auf den christlichen Glauben zurück. Die Tradition, Jubiläen regelmässig zu begehen, entwickelte sich jedoch erst im 18. und 19. Jahrhundert. Verschriftlichte Jubiläumsreden, sogenannte Festschriften, zeugen davon. Das Interessante: Die anno dazumal verwendeten Elemente der Vorträgei sind heute noch genauso aktuell wie vor Hunderten von Jahren. Wir müssen das Rad also nicht neu erfinden. Die fünf Elemente einer guten Jubiläumsansprache gelten gestern wie heute:

 

Inhaltsverzeichnis

1. Anlass zu Freude und Dank

2. Werbung in "eigener" Sache

3. Eine Prise Selbstkritik legitimiert den Redner oder die Rednerin

4. Das Gute erscheint in neuem Licht

5. Wir packen es! Mit Wir-Gefühl der Zukunft entgegen

 

1.  Anlass zu Freude und Dank

Fragen Sie sich:

  • Was ist der Anlass, der Sie überhaupt zum Festredner oder Festrednerin machte?
  • Warum kommt man überhaupt zur Feier zusammen?
  • Warum freuen Sie sich, hier zu sein?
  • Wem verdankt man die Zusammenkunft? Weshalb?

Beschreiben und würdigen Sie den Anlass, in diesem Falle das Jubiläum der Organisation oder Institution. Drücken Sie Freude darüber aus, dass Sie Teil dieses denkwürdigen Anlasses sein dürfen. Und danken Sie all denjenigen, die ihn möglich machten. Das Einbinden von persönlichen Anekdoten ist dabei in allen fünf Schritten durchaus erwünscht. Denken Sie aber daran, in einer Jubiläumsrede geht es nicht um Sie, sondern um die Gemeinschaft, das Publikum und die zu würdigende Institution.

 

2. Werbung in "eigener" Sache

Fragen Sie sich:

  • Warum braucht es die Organisation?
  • Was konnte bis heute erreicht werden?
  • Welche Errungenschaften rechtfertigen oder bedingen gar das Weiterführen?

Das Preisen und Würdigen der vergangenen Leistungen ist ein wichtiger Teil von Festreden. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie nicht nur Schönfärberei betreiben. Das ist weder authentisch, noch erreichen Sie damit die obigen Ziele. Zu einer bewegenden Rede gehört eine bewegte Geschichte mit Aufs und Abs. Schon die alten Redner wussten um die Wirkung des Storytelling. Und: Wenn alle Probleme bravourös gelöst worden wären, dann würde es die jubilierende Institution in Zukunft kaum mehr benötigen. Deshalb geht es nahtlos weiter zu Punkt 3:

 

3. Eine Prise Selbstkritik legitimiert den Redner oder die Rednerin

Fragen Sie sich:

  • Wo gab es Niederlagen?
  • Weshalb gab es diese Rückschläge?

Die Analyse des vergangenen Scheiterns hat pädagogischen Charakter. Wie könnte etwas besser gemacht werden? Aber Achtung, diese Kritik sollte niemanden persönlich isolieren oder gar benachteiligen. "Die Schwächen werden als etwas Gemeinsames formuliert, an denen alle arbeiten und teilhaben", schrieb der Historiker und Fachbuchautor Arndt Brendecke.

 

4. Das Gute erscheint in neuem Licht

Fragen Sie sich:

  • Was erscheint nun in besonderem Licht im Vergleich zu den Rückschlägen?
  • Was konnte gewonnen werden durch das Überwinden des Scheiterns?
  • Was lernen wir daraus? Was kann in Zukunft besser und nachhaltiger gemacht werden?

Im Vergleich zu den Versäumnissen der Vergangenheit erscheint das Erreichte in noch hellerem Licht. Prangern Sie also nicht nur an, was in der Geschichte nicht gut war, sondern präsentieren Sie auch Ideen, wie Fehler heute und in Zukunft wettgemacht oder vermieden werden können. Sie fordern die Zuhörenden damit zur Verbesserung der Zukunft auf, legen die Verantwortung in deren Hände. Brendecke schreibt kurz und bündig: "Das Beklagende ist auch das zu Verbessernde." Und solange es noch etwas zu verbessern gibt, ist die Zukunft gesichert.

 

5. Wir packen es! Mit Wir-Gefühl der Zukunft entgegen

Fragen Sie sich:

  • Was unterscheidet unsere Organisation, Firma oder Gruppe von anderen?
  • Was zeichnet "uns" aus?
  • Was ist unser gemeinsamer Weg in die Zukunft?

Im abschliessenden Schritt blicken Sie nicht mehr zurück in die Geschichte, sondern widmen sich der Gegenwart und Zukunft. Sparen Sie nicht mit Lob für alle Beteiligten (neudeutsch: Stakeholdern) und danken Sie herzlich für deren Engagement. Alle tragen zum Funktionieren der heutigen Organisation bei und sollen dies noch in Zukunft tun. Mit einem aufrichtigen Dank knüpfen sie nahtlos an die zu Beginn gesetzten Ziele, steigern das Gemeinschaftsgefühl und machen den ersten Schritt in die Zukunft.


Ideen von constoria.chSind Ihnen diese 5 Schritte und Elemente doch etwas zu zeitaufwändig, zu kompliziert? Unterhaltsame, individuelle Ansprachen mit einem Blick zurück in die Geschichte und einer Aussicht in die Zukunft sind unser Metier. Schildern Sie constoria Ihr Anliegen.


i) Vgl. Brendecke, A.: Reden über Geschichte. In: Münch, P. (Hg.) 2005: Jubiläum, Jubiläum. Essen: Klartext.

 

Tanya Karrer von constoria.chDie Autorin
Tanya Karrer – Expertin für Jubiläen, Geschichte und Geschichten. Inhaberin und Geschäftsführerin von constoria.ch. Wenn Sie Unterstützung für Ihr Jubiläum benötigen, zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren.