Zum Aufbau von und zum Umgang mit Sammlungen.
Ein Leitfaden für private SammlerInnen, aber nicht nur.
Von Tanya Karrer, Juni 2016. (Artikel als PDF)

Sammeln
In grauer Vorzeit überlebte der Mensch dank dem Jagen und dem Sammeln. In der heutigen Industrie-Gesellschaft müssen wir für unser Essen nicht mehr auf die Pirsch gehen und Nüsse und Beeren anhäufen.

sammlungTrotzdem ist einigen von uns der Jagd- und Sammeltrieb geblieben. Wir jagen nach Schätzen und sammeln und horten sie. Aus nicht wenigen solcher privaten Ansammlungen gingen später Museen hervor.

Meistens werden nicht einfach beliebige Gegenstände zusammengetragen, sondern man sammelt Artefakte aus einem spezifischen Interesse heraus, mit einem bestimmten Ziel  - sei es persönlicher, finanzieller oder anthroposophischer Natur.


Für die Zukunft
Sammlungen überdauern in der Regel ein Menschenleben. Umso wichtiger ist es, die Sammlung stets sauber, geordnet und gut dokumentiert zu halten. So ist auch für spätere Generationen der Wert der Sammlung erkennbar. Das Risiko, dass die Kollektion auseinander gerissen, verhökert oder gar entsorgt wird, sinkt damit erheblich.
Eine schriftlich festgehaltene Dokumentation der Sammlung ist auch aus juristischer Sicht sinnvoll. Sie hilft Ihnen bei Diebstahl, Brand und anderen Schäden.


Erste Schritte zur Sammlungsdokumentation

Sammelmotiv
Das Sammelmotiv beschreibt die Gründe, weshalb und wie eine Sammlung zusammengetragen wird.  Es ist das wichtigste Kriterium für die Aufnahme von Artefakten in eine Sammlung und fliesst in ein Sammlungskonzept ein. Seien Sie sich also Ihrer Sammlungsinteressen bewusst. Schreiben Sie sie nieder.

Sammlungskonzept
Vorbildlich ist, wer bereits zum Entstehungszeitpunkt der Sammlung ein Konzept über den zukünftigen Sammelverlauf erarbeitet. Denn für die meisten Sammler gilt: das Budget und der Aufbewahrungsplatz ist beschränkt. Mit einem Konzept definieren Sie sowohl Aufnahme- wie auch Ausschlusskriterien. Diese können sich zum Beispiel auf einen bestimmen Zeitraum, einen geografischen Raum oder auf die Verknüpfung mit Personen beziehen.
Ein Leitfaden der Museen Graubünden gibt weitere Anregungen zum Thema[i].

Inventar
In einem Inventar werden alle Sammlungsgegenstände eindeutig zuordenbar erfasst. Früher geschah dies in Büchern oder auf Karteikarten. Heute werden die Daten meist elektronisch in Datenbanken oder zumindest in Tabellenkalkulationen erfasst.
Museen Graubünden hat auch hierfür Minimaldaten[ii] definiert. Es sind dies:

  • Institution, Sammlung
  • Inventarnummer
  • Bezeichnung
  • Beschreibung, Besondere Merkmale, Marken, Signaturen
  • Hersteller
  • Datierung
  • Masse
  • Material, Technik
  • Standort (von der Autorin hinzugefügt. Denn was nützt ein Inventar, wenn man das Objekt nicht findet?).
  • Erwerbsart, Erwerbsdatum
  • Person, welche die Daten aufgenommen hat
  • Datum der Aufnahme

Je umfangreicher die Dokumentation, desto höher ist der Wert des Artefakts. Auch Zeitzeugen-Interviews können eine gute Dokumentationsmöglichkeit sein[iii].
Bei umfangreichen Sammlungen lohnt es sich, sich auch Gedanken zu einer Klassifikation oder einem kontrollierten Vokabular (z.B. Thesaurus) zu machen. Strukturen innerhalb des Inventars ermöglichen das einfachere Auffinden von Informationen und den Objekten selbst.


Der Umgang mit der Sammlung

Standort
Definieren Sie einen eindeutigen Standort für Ihre Sammlung. Dieser sollte grundsätzlich trocken, sauber und möglichst klimastabil sein. Er ist gut zugänglich, je nach Sammlungsobjekten auch mit Lift und „Paletten-Rolli“.
Es ist sinnvoll, den Raum mit Regalen, Rollschrankanlagen oder Planschränken auszustatten, je nach Objekttypus eben. Achten Sie darauf, dass diese Materialien alterungsbeständig sind, nicht rosten und nicht ausdünsten.
Definieren Sie Sektoren und Abteilungen. Jedes Objekt soll einen klaren Standort erhalten.
Je nach Objekttypus müssen Sie sich auch Gedanken über die Sicherheit des Raumes machen.

Aufbewahrung
Die Konservierung von Gegenständen ist ein Thema für sich und ist u.a. abhängig vom Material des Artefakts. Es lohnt sich aber, in diesen Bereich zu investieren, damit ihre Sammlung möglichst lange ohne Schäden überdauert.
Es ist selbstverständlich, dass Sie die Objekte sorgfältig behandeln.

Restaurierung
Wenn Sie keine Ausbildung in diesem Bereich haben, sollten Sie sich an eine/n professionelle/n Restaurator/in wenden. Heute gilt der Grundsatz, dass jede Veränderung am Objekt rückgängig gemacht werden können muss. Ausserdem vertritt man heutzutage die Meinung, dass man dem Objekt die Geschichte ansehen darf.


Präsentation von Sammlungen

Ausstellungen
Dies ist die bekannteste Form der Sammlungspräsentation. Aber auch eine kostspielige und aufwändige. Eine ansprechende Ausstellung setzt die Objekte in einen Zusammenhang zueinander und zu einem Thema. Sie erzählt eine Geschichte und lädt die Besuchenden dazu ein, mitzudenken oder gar zu partizipieren. Daneben ist eine Ausstellung gut gestaltet. Die Objekte dürfen dabei keinen Schaden nehmen.
Die Kuration einer Ausstellung setzt ein grosses Wissen zum Ausstellungsthema, zur Vermittlung, Gestaltung und zu den Objekteigenschaften voraus. Je nach Anspruch muss für eine Ausstellung ein Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden.

Online-Präsentation
Unterdessen werden viele Sammlungen im Web präsentiert. Die Vorteile: die Sammlung kann einem sehr breiten Publikum präsentiert werden, die originalen Objekte selbst werden geschützt. Im Vergleich zu einer Ausstellung ist die online Präsentation eher die günstigere Variante.
Es gibt auch Nachteile: Das Objekt ist nicht mehr in seinem Original erfassbar, eine online Präsentation benötigt gewisse Informatik-Kenntnisse und eine online Präsentation muss stetig gepflegt werden.
Eine online Kuration und Präsentation einer Sammlung kann aber eine interessante Option sein.

Andere Präsentationsformate
Den Ideen sind fast keine Grenzen gesetzt: integrieren Sie Ihre Preziosen zum Beispiel in eine Video-Geschichte, machen Sie innovative Führungen durch die Sammlung oder tauschen Sie in kleinen Runden Geschichten mit Gleichgesinnten aus. Bewahren Sie die Objekte dabei aber vor Schaden.


Zum Schluss
Sie haben hier nun einen kurzen Überblick erhalten, wie eine Sammlung aufgebaut und am Leben erhalten wird. Ein nachhaltiges Sammlungsmanagement ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, der aber nicht von der Sammel-Leidenschaft abhalten soll.
Wenn Sie sich lieber nur um die freudvollen Aspekte des Sammelns kümmern möchten, dürfen Sie sich für den Rest an mich wenden. Ich berate Sie gerne dazu und führe auch aus.

Die Autorin
Tanya Karrer – freischaffende Kuratorin, Archivarin und Journalistin.
Geschäftsführerin von constoria Karrer – Kommunikationsagentur für Geschichte(n) in Bern - Schweiz. E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  –  Web: www.constoria.ch